Surfen lernen in El Palmar
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Surfen lernen – 5 Dinge, die ich dabei gelernt habe

Surfen hat mich vor 2 Jahren das erste Mal gepackt. Ich bin recht unerwartet in El Palmar/Andalusien gelandet und habe dort mein erstes Jivamukti Retreat unterrichtet. Mit dabei war ein Surf Schnupperkurs. Surfen fand ich toll, aber auch total anstrengend. Wir hatten als Gruppe unfassbar viel Spaß, haben so gelacht über unsere ersten Stürze und schließlich die ersten wackeligen Stehversuche. Ich habe mich dann aber wieder voll und ganz dem Yoga zugewendet. War der Auffassung: Es ist besser sich ganz auf eins zu konzentrieren.

1. Yoga ist ein Weg – Surfen ist auch einer!

Mit der Zeit löste sich immer mehr meine einseitig ausgerichtete Einstellung. Ich dachte immer öfter: Wozu soviel Yoga, wenn das wahre Leben an mir vorbeisaust. (Rebecca von Fuckluckygohappy hat hier etwas Schönes dazu geschrieben.) Ich fragte mich: Was soll eigentlich die Yogapraxis stärken in meinem Leben, wenn ich vor lauter Yoga kaum noch nach rechts und links schaue. Hinzu kommt: Surfer in den Wellen haben mich immer unglaublich fasziniert. Also second try. Diesmal mit der ganzen Familie.

2. Der Anfang beim Surfen lernen macht Spaß, aber dann: It sucks!

Die ersten Versuche sich durchs Weißwasser zu kämpfen, waren erst sehr lustig, dann erschütternd. Mit welch geballter Kraft die Wellen dich einfach immer wieder umhauen. Kurz mal nicht hingeguckt und zack bist du wieder 20 Meter Richtung Strand zurückgeschleudert. Kämpfst dich gegen die Strömung wieder raus, und ,rums‘ hast du wieder eine Welle im Gesicht, anstatt mit elegantem Schwung auf deinem Brett ‚gen Strand zu gleiten. Während die Cracks 30 Meter weiter leicht und anmutig eine grüne Welle nach der anderen abreiten, kämpfst du mit ganzen Körpereinsatz, um erstmal das Board überhaupt richtig auszurichten und dich dann völlig entkräftig aufs Brett zu hieven. Frust macht sich breit. Was soll so toll sein am Surfen, wovon schwärmen die eigentlich alle nochmal? Gefühlt jeder Zweite in meiner Umgebung surft jetzt. Ich finde es einfach nur mega anstrengend und erschöpfend. Also ist surfen einfach nichts für mich? Ernsthafte Selbstzweifel machen sich breit. Surflehrer Alex versucht mir Mut zuzusprechen: „Das wird schon“ … ich frage mich wann.

Ich scheine die Einzige zu sein, die Probleme hat, entmutigt ist. Doch bei einem abendlichen Gespräch mit einem anderen Surflehrer gesteht dieser mir, dass er auch Angst hatte – am Anfang – und dass es besser wird. Das macht mir Mut.

3. Jeder hat sein eigenes Tempo beim Surfen. 

Das macht es natürlich nicht leichter… Mein Freund ist Schwimmer, also Ex- Schwimmer, nach 1,5 Tagen im Weißwasser kann er es kaum erwarten ins Line Up zu gehen. Ohne Angst und mit dem nötigen kraftvollen Paddelzug durch jahrelanges Training im Becken. Bei mir? Das Gegenteil. Mit gesundem Respekt vor Wasser ausgestattet, habe ich erstmal schön 7 Tage im Weißwasser verbracht. Ich konnte jede Kurve drehen vor und zurück, stand permanent auf dem Brett, aber hatte einfach nur Schiss weiter zu gehen. Schiss, dass mir die Wellen das Brett um die Ohren hauen. Als es mir zu öde wurde, bin ich dann mit raus. Zumindest habe ich es versucht. Denn rauszukommen schien mir unmachbar. Die Wellen kommen schnell hintereinander, kraftvoll. Ich bin innerhalb von Minuten völlig außer Atem. Panik überflutet mich. Also einen Schritt zurück. Um etwas Neues zu lernen müssen wir aus der Komfortzone raus, aber gehen wir zu weit landen wir in der Panikzone.

Ich bin in mich gegangen und habe ziemlich genau ausgelotet wo die Komfortzone anfängt und wo ich in der Panikzone lande. Der Punkt, wenn sich Schrecken ausbreitet und jegliches Wachstum stagniert. Es ist okay wenn andere, die ihr halbes Leben im Wasser verbracht haben, am 2. Tag ohne mit der Wimper zu zucken ins Line Up rauspaddeln und eine Welle nach der anderen jagen. Ich, die definitiv mehr Zeit im Wald als im Wasser verbracht habe, brauche einfach etwas länger. Locker nochmal 3 Tage bis ich mich überhaupt ins Line Up getraut habe. Flüchte mich sofort in die „Chicken line“, also dorthin, wo die Wellen auf keinen Fall brechen. Alles sicher ist. Ich bin überwältigt von der Kraft des Meeres aber auch berührt von der Schönheit. Nur mit dem Brett, inmitten dieser puren Kraft.  Einssein mit der Natur. Ein Funke springt über.

4. Ausdauer ist der Schlüssel

Irgendwann fasse ich den Entschluss: ich mache weiter, egal wie oder ob ich überhaupt weiterkomme. Ich beschließe jeden Tag ins Line Up zu gehen, komme was wolle. Konzentriere mich einfach auf meine Praxis ähnlich wie beim Yoga. Einatmen, ausatmen – eine bewegte Meditation. Ganz sanft und langsam verändert sich etwas. Mein Mut wird stärker. Mut eine Welle anzupaddeln, klappt nicht, macht nichts. Immer wieder zu schauen, wo die ganz persönliche Grenze ist. Ich gebe zu: ich bin ganz schön enttäuscht, dass ich nach 2 Wochen immer noch keine grüne Welle gesurft bin. Aber es hat sich etwas verändert. Ich bewege mich mittlerweile ohne Angst raus ins Line Up (wenn die Wellen nicht zu hoch sind), traue mich öfter Wellen anzupaddeln. Die erbarmungslosen Nose Dives passieren. Mit der Nase voran, kopfüber volle Power die Welle runterfallen. Kann es noch schlimmer werden? Surfen ist eine Lehre in Demut. Zufriedensein mit dem was gerade ist. Dem Jetzt.

Mit der Zeit wird das Vertrauen größer und auch die Erfahrung. Es macht mehr Spaß. Wann kann ich noch über ein Set von Riesenwellen (mir erscheinen sie zumindest so) paddeln, wann mach ich mich auf und versuche eine Welle zu kriegen. Es ist geht voran. Sehr langsam.

Warum Surfen und Yoga so gut zusammenpassen

 

5. Yoga und Surfen passen wunderbar zusammen, wenn … 

Normalerweise übe ich gerade im Urlaub oft recht intensiv Yoga. Aber nach zwei Stunden auf der Matte in die Wellen zu gehen ist quasi aussichtslos. Mit jedem vorher gemachten Chatturanga versiegt die Armkraft, die du brauchst, um dich hochzudrücken, um die Wellen anzupaddeln. Yoga und Surfen passen zwar wunderbar zusammen, weil der Take off, also das Aufstehen auf das Brett vom Bewegungsablauf her dem Vinyasa in den Sonnengrüßen ähnelt. Auch die Körperspannung und das Körpergefühl, das du beim Yoga aufbaust, helfen enorm beim Aufstehen und mit der Balance. Allerdings ist es wichtig, wenn du normalerweise kraftvolles Vinyasa Yoga übst, deine Praxis anzupassen. Etwas weniger Sonnengrüße und Chatturangas, ruhigere Abläufe, die die beanspruchten Muskelpartien der Hüften und Schultern dehnen und Yin Yoga bieten sich gut an.

Im Mai war ich wieder in El Palmar und wieder auf dem Brett. Zusammen mit zwei anderen Yogis sind wir raus ins Line Up. Die Bedingungen waren wunderschön. Ruhige aber kraftvolle Wellen. Dann zum ersten Mal paddel ich eine grüne Welle an, stehe auf und was soll ich sagen: Das Dranbleiben, es hat sich gelohnt.

 

 

 

  1. Schön, wie du das beschreibst! Wenn nur nicht diese Angst wäre.. Freue mich für dich, dass du es durch deinen Ehrgeiz geschafft hast! Nachdem ich zweimal wie in einer Waschmaschine an den Strand zurückgeschleudert wurde, ist bei mir die Panik leider da. Dann noch die Steine am Ufer und der tote Surfer im letzten Winter in Palmar haben mir den Rest gegeben. Ich bewundere Euch Surfer sehr für die Angstlosigkeit. Vor allem die Frauen! Aber für mich bleibt Yoga immer die Nummer 1 ❤️️

    • Liebe Lisa, mir hat es sehr geholfen mir viel Zeit zu lassen und die Vorstellung loszulassen auf der Welle stehen zu müssen. Ich war auch gerade im Sommer in Portugal und da bin ich jeden Tag wieder ins Wasser und komplett im Weißwasser geblieben, weil es mir zu heftig draussen war. Hat auch total Spaß gemacht! Rechts vom El Torre waren bisher nicht so viele Steine & Yoga ist wirklich auch eine wunderbare Passion. Liebster Gruß! Heike

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